Partizipatives Modelldesign eignet sich gut, um komplexe Zusammenhänge und Kausalketten zu artikulieren und diese mit den unterschiedlichsten Gruppen aus Arbeitspraxis, Bildung und Forschung zu kommunizieren. Die Einbeziehung von Frauen als Experten und die Organisation einer Frauengruppe stärkten das Bewusstsein der betroffenen Frauen für ihr eigenes Fachwissen und ihre Handlungsmöglichkeiten als Einzelpersonen und in den Organisationen, denen sie angehörten. Im Fall von “GenderGAP” trug sie auch zur Gründung der Arbeitsgruppe “Frauen in der Landwirtschaft” innerhalb der Landwirtschaftskammer Niederösterreich bei. Die Integration von Frauen als Experten steigerte auch das Systemwissen und erweiterte den Ansatz für mögliche Zukunftsszenarien und Handlungsoptionen. Die in Fokusgruppen entwickelten Zukunftsszenarien und der Szenario-Workshop waren Schlüsselelemente und bildeten die Grundlage für die Erstellung von Szenarien im Modell. Die wichtigsten Ergebnisse des Forschungsprozesses sind die drei Szenarien, die in Zusammenarbeit mit Bäuerinnen und Vertretern der LLWK NÖ entstanden sind. Sie wurden im Rahmen des dritten Workshops entwickelt. Der Aufbau von Szenarien begann mit homogenen Arbeitsgruppen, in denen Frauen aus ähnlichen Formen der landwirtschaftlichen Produktion Geschichten von Best-Case-Szenarien für ihre Betriebe und Regionen schufen. Wir haben diese Geschichten auf einen kombinierten Satz von Variablen übertragen und für das Jahr 2020 berechnet. Die Szenarien lassen sich in Kürze wie folgt definieren: Die Hauptziele von Familienbetrieben sind nicht Wachstum und Gewinnmaximierung, sondern die Erreichung eines Gleichgewichts zwischen Einkommen und Ausgaben (Vogel und Wiesinger 2003). In dieser Hinsicht können Familienbetriebe als “Bauernwirtschaft” oder “Inlandswirtschaft” (Chayanov 1966; Sahlins 1969).

Die Frage, wie viel Einkommen mit wie viel Land, Vieh und Arbeitszeit erreicht werden kann, bilden die Grundlage für die Entscheidungsfindung im landwirtschaftlichen Betrieb. Die Expansion und die Intensivierung der Landwirtschaft stellen Möglichkeiten dar, das Einkommen ausreichend zu erhöhen, um den Fortbestand des Betriebs zu sichern. Der Umzug in lukrativere Produktionszweige oder Nischenproduktionen könnte eine weitere Strategie sein, um dieses Ziel zu erreichen. Die wichtigsten Ergebnisse des agentenbasierten Modells zeigen, dass die durch einen Rückgang der Landwirtschaft in Österreich verursachte Anbaufläche in einem Nachhaltigkeitsszenario reduziert werden könnte. In diesem Szenario wird davon ausgegangen, dass die landwirtschaftliche Produktion durch faire Preise und Subventionssysteme attraktiver wird.

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